Allgemein Energiewende Sie wissen genau was sie tun

Denn sie wissen genau, was sie tun. (Endgame)

Die Tage der Öl- und Gasindustrie sind gezählt und sie wissen das ganz genau. Man kann vieles über diese Branche sagen, wenig Gutes, aber auf keinen Fall, dass sie dumm wäre.

Als die eigenen Wissenschaftler in den 1970/80er Jahren klar voraussagten, welche Klimaveränderungen uns die Emissionen bescheren würden, begannen die Akteure der Fossilwirtschaft mit einer Desinformationskampagne, die bis heute Wirkung zeigt. Noch immer laufen erwachsene Menschen herum die behaupten, CO2 sei kein Klimagas, Klima habe sich schon immer verändert und so schlimm wird das nicht. Und es gibt sogar einzelne Wissenschaftler, die entgegen der klaren Faktenlage solche Aussagen tätigen.

Von Anfang an war die Öl- und Gasindustrie von maßloser Rücksichtslosigkeit geprägt. Im Umgang mit Mitbewerbern und für den Zugang zu neuen Quellen sind keine Methoden zu schäbig: Bestechung, Gewalt, forcierte Regierungswechsel und sogar Krieg gehören quasi zum Tagesgeschäft.

Die Zustände im Persischen Golf sind zum großen Teil auf Einflussnahme der Öl- und Gasindustrie zurückzuführen, welche branchennahe Regierungen immer wieder dazu gebracht hat, in Ländern zu intervenieren, die das schöne Geschäft zu sehr einschränken wollten.

Der angebliche Einsatz gegen Drogenhandel und einen unrechtmäßigen Präsidenten in Venezuela sind nur das neueste Kapitel in dieser schäbigen Geschichte. Wobei Trump sich wohl nicht so richtig mit den Ölgesellschaften abgestimmt hat, denn deren Ethusiasmus sich zum wiederholten mal in Venezuela zu enagieren hält sich in Grenzen.

Der Exxon-Chef erklärte auf die Anfrage von Trump zum notwendigen Invest von mindestens 100 Milliarden in die marode Infrastruktur Venezuelas, das Land sei „uninvestierbar“. Das klang beim Irak, Lybien und Syrien noch ganz anders. [1] Aber die Marktentwicklung schreitet voran und die Ölgesellschaften haben Venezuela zum letzten mal verlassen, als Trump in seiner ersten Amtsperiode ein Embargo verhängte. Entsprechend gering ist das Vertrauen in einen neuen Anlauf.

Absehbar wird die Branche schrumpfen und das ganz erheblich. Der weitaus größte Teil des Öls wird derzeit für den Verkehr verbraucht und daran hat wiederum der Straßenverkehr den größten Anteil.

Mit zunehmendem Umstieg auf Elektromobilität sinkt der Bedarf in diesem Sektor. China (größter Automobilmarkt der Welt mit >50% E-Autos bei den Neuzulassungen) hat wahrscheinlich in 2025 seinen höchsten Verbrauch überschritten. Schwellenländer fangen an, selbst Elektrofahrzeuge zu bauen (E-Busse aus Kenia) oder haben schon den Import von Autos mit Verbrennungsmotoren verboten (Äthiopien). Das Argument „die fahren unsere alten Verbrenner noch jahrzehntelang“ ist also falsch.

Auch die Bereiche Stromerzeugung und Heizung werden für Öl kleiner, erneuerbare Optionen sind nicht nur sauberer, sondern auch im Betrieb günstiger.

Noch ist dies an den Fördermengen nicht wirklich zu sehen, zumal diese auch immer wieder Schwankungen unterliegen. Aber es ist klar zu erkennen, wie die Öl- und Gasindustrie wirtschaftet.

Bisher wurde ein wesentlicher Teil des Cash Flows in die Exploration, also die Erschließung neuer Quellen investiert. Die Liquidität kam über Kredite, die mit den im Boden liegenden Ressourcen gesichert waren. Mittlerweile konzentriert man sich darauf, diese Kredite abzuzahlen und die Explaration billig zu halten. [2]

Neue Investitionen werden vermieden, will man in der beginnenden Rückzugsschlacht noch möglichst lange bestehen. Denn die absehbar fallende Nachfrage im Straßenverkehr zieht auch einen Rückgang bei der Schiffahrt nach sich. Etwa 40% des weltweiten Schiffverkehrs dient dem Transport von Energierohstoffen, ein großer Teil davon Öl und Gas. Die Schiffe selbst fahren quasi mit dem Abfallprodukt der Benzin- und Dieselherstellung: Schweröl.

Insgesamt wird also die Nachfrage sinken. Das löst dann einen Wechsel von Preisschlachten, Produktionsreduzierung und auch Pleiten aus. Wer die günstigeren Förderkosten hat, wird sich länger behaupten können.

Willkommen in der Achterbahn! Wir wissen bereits, wie die Reise enden wird. Mit einer winzig kleinen Ölindustrie, die nur noch Nischen bedient. Was wir nicht wissen ist, wie viel Schaden diese Konzerne auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit noch anrichten werden.

Die bisherige Geschichte lässt nichts Gutes erwarten…

[1] https://www.bbc.com/news/articles/c205dx61x76o

[2] https://carbontracker.org/the-quiet-retreat-why-the-oil-and-gas-industry-is-implementing-its-own-decline-even-as-the-iea-resurrects-an-old-growth-scenario/

https://www.youtube.com/watch?v=Z07v-ttoJZs

https://smallcaps.com.au/article/global-oil-gas-industry-faces-turbulent-future-falling-investments

 

Das Titelbild wurde mit Grok erstellt.

 


„Denn sie wissen genau was sie tun“ ist eine Artikelreihe:

Teil 8: Endgame