Das deutsche Stromnetz und das zugehörige Regelwerk werden immer mehr zum Kostentreiber, Die neuen Pläne sind ein weiteres Hemmnis für die Dekarbonisierung und eine zusätzliche Belastung für die Bürger und die Wirtschaft. Nach wie vor sind Struktur und Regeln nicht dafür ausgelegt, dass das Netz nicht mehr aus wenigen Erzeugern und vielen Verbrauchern besteht, sondern es immer mehr Erzeuger gibt, die teilweise auch zwischen Erzeugen und Verbrauchen (Prosumer) wechseln können.
Nach der bisherigen Logik erfolgt die primäre Verteilung des Stroms über die Übertragungsnetze und kann an beliebiger Stelle aus dem Netz entnommen werden. Das entspricht aber nicht der physikalischen Realität, in der Strom den Weg des geringsten elektrischen Widerstands nimmt und nicht dahin fließt, wo er lediglich aufgrund von Handelsentscheidungen an der Strombörse sollte.
Ein grundlegendes Problem der aktuellen Regelung ist, dass ganz Deutschland eine einzige Strompreiszone hat, also der Börsenstrompreis jederzeit für die gesamte Fläche gleich ist. Wenn dann viel Wind im Norden weht, fällt der Strompreis im ganzen Land, auch wenn der Strom im Süden gar nicht zur Verfügung steht und auch Stromtrassen wie der Südlink daran nicht viel ändern. Abgesehen davon, dass diese Stromtrassen die Netzentgelte weiter hoch treiben.
Die Bundesnetzagentur hat unter dem sperrigen Namen „Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes)“ eine Neuregelung der Netzentgelte in Vorbereitung, die bis zum 18.9.2026 kommentiert werden konnte. Wir haben dazu eine Stellungnahme abgegeben. [s.u.]
Statt die eigentlichen Probleme anzugehen, also Strompreiszonen einzurichten, Netzentgelte an die Netzauslastung zu koppeln und die Ertüchtigung der Verteilnetze voran zu treiben, enthält der Entwurf in erster Linie Ansätze dazu, wie der bestehende Missstand beibehalten oder sogar verschärft werden kann.
Erzeuger sollen zukünftig Netzentgelte zahlen. Das ist völlig unlogisch, weil diese Kosten natürlich nicht vom Erzeuger getragen werden, sondern an die Kunden weitergegeben werden, der Strom wird dann einfach teurer. Und da die Verteuerung am Anfang der Lieferkette erfolgt, verstärkt sich diese auf dem Weg zum Endkunden, wie das immer der Fall ist, wenn man ganz vorne im Prozess die Kosten erhöht.
Speicher sollen ebenfalls mit Netzentgelten belegt werden, was völlig unlogisch ist, da diese netzdienlich sind und die Belastung der Netze reduzieren könnten. Dazu müssten aber Strompreiszonen eingerichtet werden, damit der Stromspeicher bei Hamburg nicht Strom nach München verkauft, der dort nie ankommen kann.
Insgesamt kann man AgNes als weiteren Baustein der Strategie der Bundesregierung, bzw. der Bundeswirtschaftsministerin Reiche ansehen, mit der versucht wird, die Energiewende zu verzögern oder sogar zurückabzuwickeln. Im Minimum muss man festhalten, dass diesem Entwurf jeglicher Mut fehlt, veraltete Strukturen endlich anzugehen. Stattdessen wird versucht, alte Strukturen zu schützen und neue an der Entwicklung zu hindern.
Nachfolgend unsere Stellungnahme im kompletten Text:
Stellungnahme der Piratenpartei Deutschland zum „Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes)“
Die Piratenpartei Deutschland lehnt die unter dem Titel „AgNes“ geplante Neuregelung der Netzentgelte grundlegend ab.
Das Stromnetz ist von zentraler Bedeutung für Deutschland, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Bürger. Ohne Strom ist unsere moderne Gesellschaft nicht denkbar.
In den letzten Jahren haben sich die Stromnetzentgelte zu einem zentralen Preistreiber entwickelt. Mit der steigenden Elektrifizierung von Prozessen, dem wachsenden Anteil an Erneuerbaren Energien (EE) und dem absehbar größer werdenden Strombedarf u.a. auch für KI, ist es dringend notwendig, die Entwicklung der Netze und der Kosten dafür so zu steuern, dass Strom klimaneutral und günstiger und somit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gesichert wird.
Dazu ist die Neugestaltung der Netzentgelte ein wichtiges Instrument, um Entwicklung und Verhalten in eine konstruktive Richtung zu steuern. Allerdings wird dieses Ziel mit dem vorliegenden Konzept „AgNes“ weit verfehlt und es droht, sich ins Gegenteil zu verkehren.
Die Idee, es wäre gerechter und würde zu einer Kostensenkung führen, wenn Netzentgelte auch von den Erzeugern erhoben werden, ist grundlegend falsch. In jeder Lieferkette kommen zusätzliche Kosten in der Kette immer beim Endverbraucher an und das aufgrund des notwendigen Aufwands sogar mit einem höheren Betrag. Es ist eine Illusion, dass die Erzeuger diese Kosten tragen würden, diese Kosten werden immer an den Endverbraucher weitergegeben, möglicherweise zeitverzögert, aber in jedem Fall.
Die für eine marktgerechte Steuerung des Ausbaus dringend notwendigen Strompreiszonen werden ohne Begründung abgelehnt. Jegliches Konzept, das weiterhin die realitätsferne Fiktion der Kupferplatte aufrecht erhält (also die physikalisch falsche Annahme, dass Strom an beliebigen Stellen im Netz eingespeist und entnommen werden könnte und durch das Netz problemlos dahin übertragen würde, wo er benötigt wird.), kann nur zu noch mehr Kosten führen. Egal welche juristischen Konstrukte man sich ausdenkt, Strom unterliegt physikalischen Regeln, die nicht ignoriert werden können.
Dynamische Netzentgelte sind aus völlig unverständlichen Gründen für Speicher vorgesehen, sollen aber nicht für Verbraucher eingeführt werden. Das ist komplett unlogisch. Für eine bessere Netzdienlichkeit von Speichern sind Strompreiszonen notwendig, denn es ist völlig unsinnig, dass ein Speicher im Norden Strom ins Netz einspeist, wenn dieser im Süden benötigt würde. Daran ändern auch dynamische Netzentgelte nichts, die ohnehin für Speicher nicht erhoben werden sollten, aus demselben Grund, aus dem sie auch bei Erzeugern sinnlos sind.
Die Belastung von Prosumern mit höheren Netzentgelten (70-90% Aufschlag) ist nicht nachvollziehbar. Wenn geringerer Bezug von Strom aus dem Netz bestraft wird, dann ist damit zu rechnen, dass zukünftig auch weniger Energieeffizienzmaßnahmen erfolgen werden. Das Gegenargument, dass Prosumer typischerweise auch über Wärmepumpe und eAuto verfügen und so einen höheren Bedarf haben, wird ohne Angabe von belastbaren Daten einfach beiseite gefegt.
Für Batterie- und Elektrolyseprojekte verkürzt der Entwurf effektiv den Zeitraum, in dem diese eine Netzentgeltbefreiung erhalten können. Das EnWG erlaubt eine Befreiung bei Inbetriebnahme vor August 2029, AgNes verkürzt diese auf eine nachgewiesene Investitionsentscheidung bis 31. März 2027. Das ist ein eklatanter Vertrauensbruch für Investitionen.
Zusammenfassend können wir diesen Entwurf nur vollständig ablehnen. Es werden keine der vorhandenen Probleme mit den Netzen gelöst, hierfür wäre die Einführung von Strompreiszonen notwendig. Es werden sogar neue Probleme geschaffen, der bürokratische Aufwand wird noch höher und die Kosten werden dadurch absehbar steigen.
Dies ist ein Versuch, die notwendige komplette Neuregelung des Strommarktes weiter aufzuschieben. Nach wie vor ist die Grundstruktur der Regelungen ausgerichtet an dem Konzept eines zentralistischen Stromnetzes, dass es so nicht mehr gibt. Das Regelwerk orientiert sich immer noch an dem Konzept eines Netzes mit wenigen Erzeugern und vielen Verbrauchern. Prosumer und Dezentralität werden als Störfaktoren angesehen, welche eingeschränkt werden sollen.
Tatsächlich würde eine Regulierung, die sich an einem hochgradig dezentralen Netz mit räumlicher Zusammenführung von Erzeugung und Verbrauch orientiert, sehr schnell Kosten senken und die Versorgungssicherheit erhöhen. Je länger diese notwendige Neuregelung aufgeschoben wird, um so größer werden die Kosten und die wirtschaftlichen Schäden.
(Titelbild wurde mit Grok erstellt)
Das deutsche Stromnetz und das zugehörige Regelwerk werden immer mehr zum Kostentreiber, Die neuen Pläne sind ein weiteres Hemmnis für die Dekarbonisierung und eine zusätzliche Belastung für die Bürger und die Wirtschaft. Nach wie vor sind Struktur und Regeln nicht dafür ausgelegt, dass das Netz nicht mehr aus wenigen Erzeugern und vielen Verbrauchern besteht, sondern es immer mehr Erzeuger gibt, die teilweise auch zwischen Erzeugen und Verbrauchen (Prosumer) wechseln können.
Nach der bisherigen Logik erfolgt die primäre Verteilung des Stroms über die Übertragungsnetze und kann an beliebiger Stelle aus dem Netz entnommen werden. Das entspricht aber nicht der physikalischen Realität, in der Strom den Weg des geringsten elektrischen Widerstands nimmt und nicht dahin fließt, wo er lediglich aufgrund von Handelsentscheidungen an der Strombörse sollte.
Ein grundlegendes Problem der aktuellen Regelung ist, dass ganz Deutschland eine einzige Strompreiszone hat, also der Börsenstrompreis jederzeit für die gesamte Fläche gleich ist. Wenn dann viel Wind im Norden weht, fällt der Strompreis im ganzen Land, auch wenn der Strom im Süden gar nicht zur Verfügung steht und auch Stromtrassen wie der Südlink daran nicht viel ändern. Abgesehen davon, dass diese Stromtrassen die Netzentgelte weiter hoch treiben.
Die Bundesnetzagentur hat unter dem sperrigen Namen „Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes)“ eine Neuregelung der Netzentgelte in Vorbereitung, die bis zum 18.9.2026 kommentiert werden konnte. Wir haben dazu eine Stellungnahme abgegeben. [s.u.]
Statt die eigentlichen Probleme anzugehen, also Strompreiszonen einzurichten, Netzentgelte an die Netzauslastung zu koppeln und die Ertüchtigung der Verteilnetze voran zu treiben, enthält der Entwurf in erster Linie Ansätze dazu, wie der bestehende Missstand beibehalten oder sogar verschärft werden kann.
Erzeuger sollen zukünftig Netzentgelte zahlen. Das ist völlig unlogisch, weil diese Kosten natürlich nicht vom Erzeuger getragen werden, sondern an die Kunden weitergegeben werden, der Strom wird dann einfach teurer. Und da die Verteuerung am Anfang der Lieferkette erfolgt, verstärkt sich diese auf dem Weg zum Endkunden, wie das immer der Fall ist, wenn man ganz vorne im Prozess die Kosten erhöht.
Speicher sollen ebenfalls mit Netzentgelten belegt werden, was völlig unlogisch ist, da diese netzdienlich sind und die Belastung der Netze reduzieren könnten. Dazu müssten aber Strompreiszonen eingerichtet werden, damit der Stromspeicher bei Hamburg nicht Strom nach München verkauft, der dort nie ankommen kann.
Insgesamt kann man AgNes als weiteren Baustein der Strategie der Bundesregierung, bzw. der Bundeswirtschaftsministerin Reiche ansehen, mit der versucht wird, die Energiewende zu verzögern oder sogar zurückabzuwickeln. Im Minimum muss man festhalten, dass diesem Entwurf jeglicher Mut fehlt, veraltete Strukturen endlich anzugehen. Stattdessen wird versucht, alte Strukturen zu schützen und neue an der Entwicklung zu hindern.
Nachfolgend unsere Stellungnahme im kompletten Text:
Stellungnahme der Piratenpartei Deutschland zum „Verfahren zur Festlegung der Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes)“
Die Piratenpartei Deutschland lehnt die unter dem Titel „AgNes“ geplante Neuregelung der Netzentgelte grundlegend ab.
Das Stromnetz ist von zentraler Bedeutung für Deutschland, sowohl für die Wirtschaft als auch für die Bürger. Ohne Strom ist unsere moderne Gesellschaft nicht denkbar.
In den letzten Jahren haben sich die Stromnetzentgelte zu einem zentralen Preistreiber entwickelt. Mit der steigenden Elektrifizierung von Prozessen, dem wachsenden Anteil an Erneuerbaren Energien (EE) und dem absehbar größer werdenden Strombedarf u.a. auch für KI, ist es dringend notwendig, die Entwicklung der Netze und der Kosten dafür so zu steuern, dass Strom klimaneutral und günstiger und somit die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gesichert wird.
Dazu ist die Neugestaltung der Netzentgelte ein wichtiges Instrument, um Entwicklung und Verhalten in eine konstruktive Richtung zu steuern. Allerdings wird dieses Ziel mit dem vorliegenden Konzept „AgNes“ weit verfehlt und es droht, sich ins Gegenteil zu verkehren.
Die Idee, es wäre gerechter und würde zu einer Kostensenkung führen, wenn Netzentgelte auch von den Erzeugern erhoben werden, ist grundlegend falsch. In jeder Lieferkette kommen zusätzliche Kosten in der Kette immer beim Endverbraucher an und das aufgrund des notwendigen Aufwands sogar mit einem höheren Betrag. Es ist eine Illusion, dass die Erzeuger diese Kosten tragen würden, diese Kosten werden immer an den Endverbraucher weitergegeben, möglicherweise zeitverzögert, aber in jedem Fall.
Die für eine marktgerechte Steuerung des Ausbaus dringend notwendigen Strompreiszonen werden ohne Begründung abgelehnt. Jegliches Konzept, das weiterhin die realitätsferne Fiktion der Kupferplatte aufrecht erhält (also die physikalisch falsche Annahme, dass Strom an beliebigen Stellen im Netz eingespeist und entnommen werden könnte und durch das Netz problemlos dahin übertragen würde, wo er benötigt wird.), kann nur zu noch mehr Kosten führen. Egal welche juristischen Konstrukte man sich ausdenkt, Strom unterliegt physikalischen Regeln, die nicht ignoriert werden können.
Dynamische Netzentgelte sind aus völlig unverständlichen Gründen für Speicher vorgesehen, sollen aber nicht für Verbraucher eingeführt werden. Das ist komplett unlogisch. Für eine bessere Netzdienlichkeit von Speichern sind Strompreiszonen notwendig, denn es ist völlig unsinnig, dass ein Speicher im Norden Strom ins Netz einspeist, wenn dieser im Süden benötigt würde. Daran ändern auch dynamische Netzentgelte nichts, die ohnehin für Speicher nicht erhoben werden sollten, aus demselben Grund, aus dem sie auch bei Erzeugern sinnlos sind.
Die Belastung von Prosumern mit höheren Netzentgelten (70-90% Aufschlag) ist nicht nachvollziehbar. Wenn geringerer Bezug von Strom aus dem Netz bestraft wird, dann ist damit zu rechnen, dass zukünftig auch weniger Energieeffizienzmaßnahmen erfolgen werden. Das Gegenargument, dass Prosumer typischerweise auch über Wärmepumpe und eAuto verfügen und so einen höheren Bedarf haben, wird ohne Angabe von belastbaren Daten einfach beiseite gefegt.
Für Batterie- und Elektrolyseprojekte verkürzt der Entwurf effektiv den Zeitraum, in dem diese eine Netzentgeltbefreiung erhalten können. Das EnWG erlaubt eine Befreiung bei Inbetriebnahme vor August 2029, AgNes verkürzt diese auf eine nachgewiesene Investitionsentscheidung bis 31. März 2027. Das ist ein eklatanter Vertrauensbruch für Investitionen.
Zusammenfassend können wir diesen Entwurf nur vollständig ablehnen. Es werden keine der vorhandenen Probleme mit den Netzen gelöst, hierfür wäre die Einführung von Strompreiszonen notwendig. Es werden sogar neue Probleme geschaffen, der bürokratische Aufwand wird noch höher und die Kosten werden dadurch absehbar steigen.
Dies ist ein Versuch, die notwendige komplette Neuregelung des Strommarktes weiter aufzuschieben. Nach wie vor ist die Grundstruktur der Regelungen ausgerichtet an dem Konzept eines zentralistischen Stromnetzes, dass es so nicht mehr gibt. Das Regelwerk orientiert sich immer noch an dem Konzept eines Netzes mit wenigen Erzeugern und vielen Verbrauchern. Prosumer und Dezentralität werden als Störfaktoren angesehen, welche eingeschränkt werden sollen.
Tatsächlich würde eine Regulierung, die sich an einem hochgradig dezentralen Netz mit räumlicher Zusammenführung von Erzeugung und Verbrauch orientiert, sehr schnell Kosten senken und die Versorgungssicherheit erhöhen. Je länger diese notwendige Neuregelung aufgeschoben wird, um so größer werden die Kosten und die wirtschaftlichen Schäden.
(Titelbild wurde mit Grok erstellt)