AG Energiepolitik Allgemein

Lieber Harald Lesch, wir müssen reden!

© Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons)

Am 24.1.2022 war Harald Lesch bei „Hart aber fair„. Er vertrat dort die Auffassung, dass Energie teurer werden muss, damit wir weniger benutzen.

Guido Körber, unser Themenbeauftragter für Energiepolitik, hat dazu dringend etwas zu sagen:

Lieber Harald Lesch, wir müssen reden. Ich schätze Sie sehr als Vermittler von Wissenschaft, der komplexe Zusammenhänge spannend in verständlicher Weise erklären kann, ohne dabei einfach zu werden. Aber wenn Sie über Energiewirtschaft reden, dann kann ich nur sagen, Sie verlassen da offensichtlich Ihr Terrain.

Das begann mit Ihrem Beitrag über Elektromobilität vor ein paar Jahren. Mittlerweile sind Sie insoweit zurückgerudert, dass Sie sich geirrt hätten und das batterieelektrische Auto  sei doch die Zukunft. So weit so richtig. Was aber bisher fehlt ist eine Klarstellung, dass die von Ihnen genannten Zahlen komplett unrealistisch sind. Der Beitrag wird darum jedoch immer noch als vermeintlicher Beleg für die Unmöglichkeit der eMobilität benutzt.

Abgesehen von falschen Annahmen über die Rohstoffe, machten Sie einen ganz dicken Fehler. Die genannten 350 kW, mit der angeblich Millionen eAutos jeden Abend laden würden, sind nett formuliert Unsinn. Zum Zeitpunkt Ihres Videos gab es noch keine Schnellladestationen, die diese Leistung überhaupt erreichen, geschweigen denn, dass Autos diese Leistung aufnehmen könnten. Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von ca. 40 km/Tag pro Auto in Deutschland benötigt ein Auto auch nur etwa 7 oder 8 kWh pro Tag. Die wären bei 350 kW Ladeleistung in weniger als 2 Minuten in der Batterie. Aber das geht physikalisch gar nicht, da eine fast volle Batterie ohnehin so einen Ladestrom nicht aufnimmt. Tatsächlich würden 15 bis 20 % des aktuellen Strombedarfs für eine komplette eMobilität ausreichen, dies ist also durchaus machbar.

Da fehlt eine Richtigstellung, wenn Sie nicht weiter von hauptsächlich Ewiggestrigen als Referenz benannt werden wollen, um herbeizureden, dass man beim Verbrennungsmotor bleiben sollte.

Doch bei „Hart aber fair“ dachte ich dann, dass ich mich verhört habe. Ihr Vergleich mit dem Aufwand, den man treiben muss, um auf einem Ergometer eine Kilowattstunde zu erzeugen, ist sehr treffend. Aber genau im entgegengesetzen Sinn von dem, was Sie danach gesagt haben.

Billige Energie ist die Grundvoraussetzung für zivilisatorischen Fortschritt. Genau der Vergleich wie viel man strampeln muss, um die Kilowattstunde zu erzeugen, zeigt doch ganz deutlich, was für einen Wert es hat, dass wir ganz viele Kilowattstunden ganz billig zur Verfügung haben. Wir können Dinge tun, für die früher sehr viel manuelle Arbeit notwendig war, oder die wegen des Aufwandes gar nicht möglich waren. Und zwar weil wir Energie billig zur Verfügung haben.

Die Idee, Energie teuer zu machen ist der falsche Weg. Wie Ihnen auch in der Sendung vorgehalten wurde, führt das zu „Carbon Leakage“, also zum Abwandern von Industrie in Länder, wo sie mehr Umweltsauerei betreiben können. Und weniger Energie zu nutzen ist zwar dann richtig, wenn es um Einsparungen durch Effizienz geht, aber nicht, wenn wir dann weniger Dinge tun können. Im Gegenteil, wir müssen in Zukunft mehr Energie einsetzen, alleine schon zum Schließen von Stroffkreisläufen, um ein effektives Recycling in Gang zu bringen. Der wichtige Punkt ist, dass wir diese Energie nachhaltig gewinnen.

Ein kurzer Blick in die Geschichte der Industrialisierung zeigt deutlich, dass große Schritte für die Zivilisation jeweils mit dem Erschließen neuer und billigerer Energiequellen einhergingen. Manuelle Arbeit konnte durch maschinelle Arbeit ersetzt werden, Lebensbedingungen wurden (zumindest langfristig) besser. Letztlich wurde auch die Sklaverei zum Teil durch billige Energie abgeschafft. Das große Problem an dieser Entwicklung ist bisher, dass sie alles andere als sauber und nachhaltig war.

Mit dem Wandel zu Erneuerbaren Energiequellen (EE) haben wir jetzt die Chance, einen weiteren solchen zivilisatorischen Schritt zu machen. EE sind billiger als nukleare und fossile Energie und sie haben sehr geringe Umweltfolgen. Wir können also wieder mehr Energie einsetzen und sie würde sogar deutlich billiger werden.

Machen wir die Energie aber teuer, entweder, weil wir Verzicht wollen, oder so wie es momentan politisch läuft, um den Altkonzernen das Einkommen zu sichern, dann kommen wir in Stagnation und Rückschritt. Eine Entwicklung zur Nachhaltigkeit wird dann nicht finanzierbar sein und wir werden weiterhin damit leben müssen, viele Produkte aus Ländern mit fragwürdigen Standards zu importieren.

Den Wandel können wir dadurch finanzieren, dass wir keine Energierohstoffe mehr importieren müssen und die Investitionen für den Ersatz und Unterhalt von alten Strukturen in nachhaltige Projekte umlenken. Hinzu kommt noch, was wir an Umweltschäden vermeiden, die auch zu Gesundheitsschäden und Kosten führen. Die Energiewende ist nicht teuer, sie wird nur durch politische Entscheidungen teuer gemacht.

Also Herr Lesch, es gibt eine positive Zukunftsvision. Dazu gehört auch, dass wir viel saubere und billige Energie zur Verfügung haben, die wir intelligent einsetzen, um insgesamt nachhaltig agieren zu können. Es wäre schön, wenn Sie sich der Vision anschließen würden, statt Verzicht zu predigen.

Bildnachweis Foto Herr Lesch: © Superbass / CC-BY-SA-4.0 (via Wikimedia Commons